Kloster Ihlow

Im Jahr 1098 erhob sich eine kleine Gruppe von Mönchen in Burgund (Frankreich) gegen bestehende Konventionen und gründete einen neuen Orden: die Zisterzienser. Unter der Führung ihres renommierten Abtes Bernhard von Clairvaux breiteten sie sich im Laufe mehrerer Jahrhunderte über ganz Europa aus. Auch in Ostfriesland fanden sie eine Heimat und gründeten 1228 das Kloster Schola Dei - eine Abtei, die sich mittlerweile auf dem Gebiet des heutigen Ihlow befand.
Das Zisterzienserkloster Ihlow war eines der herausragendsten unter den 28 Klöstern Ostfrieslands. Die "Schule Gottes" (lateinisch "Schola Dei") fungierte als Archiv und Verwaltungszentrum für den Landfriedensbund der "Friesischen Freiheit". Dieser Bund umfasste zeitweise bis zu 30 "Bauernrepubliken" von der Weser bis zum Ijsselmeer. Doch nicht nur politisch spielte das Kloster eine bedeutende Rolle, sondern auch als Triebkraft für wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritt in der Region. Die Mönche waren maßgeblich an der Entwicklung und Verbreitung neuer Techniken und Methoden in der Landwirtschaft, im Wasserbau, im Bauwesen und Handwerk beteiligt.
Die Blütezeit der Abtei endete im Spätmittelalter. Im Zuge der Reformation und der Säkularisation wurde das Kloster im Jahr 1529 abgerissen. Die Steine der einstigen Klosteranlage dienten als Baumaterial für das heute nicht mehr existierende Jagdschloss der ostfriesischen Grafen, das sich westlich des gegenwärtigen Forsthauses befand.
Ausgrabungen 2004

Im Frühjahr 2004 begannen archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände rund um das Forsthaus, dem ehemaligen Standort der Ihlower Abtei.
Die Ausgrabungen haben zahlreiche archäologische Funde ans Licht gebracht, die nun ausgestellt sind. Darunter fallen die Ihlower Fliesen, Bodenplatten mit Abbildungen von Löwen, Adlern und Fabelwesen, die vermutlich einst den Altarraum der Klosterkirche schmückten.
Die Fundstücke können nun im "Raum der Spurensuche" besichtigt werden, der sich unterirdisch auf der Ebene der früheren Backsteinfundamente befindet. Die Ausstellung im Raum der Spurensuche wurde 2008 ins Leben gerufen. Hier haben Besucher die Möglichkeit, die historische und spirituelle Bedeutung des Ihlow-Klosters zu erleben - seine Vergangenheit sowie seine potenzielle Zukunft.
Ein besonderes Exponat in der Ausstellung des Raumes der Spurensuche ist der "Zeitstrahl": 17 Tafeln entlang einer halbrunden Wand präsentieren die Weltreligionsgeschichte, die mit Daten aus der friesischen Geschichte verflochten ist. Der "Zeitstrahl" spannt sich vom letzten Abendmahl Jesu in Jerusalem bis zur Errichtung des ersten Gewölbebogens der imaginären Klosterkirche von Ihlow am 25. September 2008.
Nachbildung der früheren Klosterkirche

Im Jahre 2018 wurde die Imagination gebaut. Das Herzstück der Anlage ist eine originalgetreue Nachbildung einer Kirche in voller Größe, entworfen vom dänischen Architekten Finn Larsen, welche deutschlandweit einzigartig ist. Stahl und Holz wurden verwendet, um die Säulen, das Gewölbe und den Dachreiter der einstigen größten Kirche zwischen Bremen und Groningen nachzubilden. Die Ausmaße des ursprünglichen Sakralbaus waren beeindruckend: fast 68 Meter lang und rund 35 Meter breit im Querschiff. Mittels verschiedener architektonischer und künstlerischer Konzepte wurde im Herzen des Waldes eine "Imagination" der Abtei geschaffen, die den Besuchern einen eindrucksvollen Einblick in die frühere Klosteranlage vermittelt.
Die rekonstruierte Kirche im romanisch-gotischen Stil entspricht dem Aussehen der ehemaligen Klosterkirche. Das Gewölbeensemble ragt bis zu einer Höhe von rund 25 Metern empor, und die Spitze des charakteristischen Dachreiters, typisch für Zisterzienser-Kirchen, erreicht fast 45 Meter. Das Gelände ist von immergrünen, begehbaren Mauern umgeben - Matten aus Stahlgitter, die mit Efeu bewachsen sind und die Wände der einstigen Backsteinkirche darstellen.
Ein weiterer integraler Bestandteil der Imagination ist der unterirdische Raum der Spurensuche. Es handelt sich um eine Kombination aus Ausstellungsraum, der archäologische Fundstücke präsentiert, und einem Ort der Besinnung, der durch den neuen Ihlower Altar ergänzt wird.
-
Rekonstruktion - Aufbau
-
Rekonstruktion - Aufbau
-
Rekonstruktion - Aufbau
-
Rekonstruktion - Aufbau
-
Rekonstruktion - Aufbau
-
Rekonstruktion - Aufbau - Plattform
-
Gemauerter Pfeiler
-
Fertiges Gewölbe
Luftbilder
-
Klosterstätte - Luftbilder 2009
-
Klosterstätte - Luftbilder 2009
-
Klosterstätte - Luftbilder 2009
-
Klosterstätte - Luftbilder 2009
-
Luftbild vor der Renovierung und Umbau des Forsthauses
Karten & Grundrisse
-
Bestellsignatur NLA Aurich Rep.244 a1086, Lage des Forstes Ihlow mit Einzeichnung der Wege und königlichen Ländereien, Kolorierte Zeichnung von Fuchs 1744
-
Bestellsignatur NLA Aurich Rep. 244 a Nr. 431, Situationsplan der in Ihlow liegenden Gebäude und Grundstücke auf der Klosterstätte im Jahr 1828
-
Aufriß und Grundriß vom Forsthaus in Ihlow - Zeichnung auf Papier - 1859
-
Lage der Försterei in Ihlow mit den umliegenden Waldflächen, den Wegen und Tiefen
-
Der Ihlower Forst entlang des Krummen Tiefs mit Forsthaus und Mühlenbrücke
